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Mittwoch, 8. Juni 2011

Die Mutter erzählt die erste Geschichte

Die Mutter streichelte sanft über das zartgrüne Moos, ihr Blick fiel auf ein Vogelnest hoch oben im Baum und sie begann zu erzählen.

Diese folgende Geschichte kenne einige von euch schon. Es ist mein Versuch, schon vorhanden Geschichten in meine Stück zu integrieren.

Ein junger Vogel sass sehr vergnügt in seinem Nest. Ihm war recht wohl, denn seine Eltern sorgten gut für ihn. Er musste nur seinen Schnabel aufsperren und er bekam allerlei Leckereien hineingestopft. Was wollte er mehr vom Leben verlangen?
Als die Zeit kam das Fliegen zu lernen, waren seine Geschwister schon recht aufgeregt und konnten es nicht abwarten ihre Flügel auszubreiten um ihrem eigenen Leben entgegen zu fliegen.
Doch der junge Vogel, nennen wir ihn Balduin, hatte es gar nicht eilig. Auf das Drängen seiner Eltern es auch einmal mit dem Fliegen zu probieren, antwortet er einfach: "Keine Lust:"
Seine Geschwister waren schon lange ausgeflogen und Balduin sass noch immer in seinem Nest. Die Vogeleltern konnten ihren Sohn nicht ja verhungern lassen,so sorgten sie weiterhin für Nahrung und  lebte Balduin wie eine Made im Speck in seinem gemütlichen Nest.
Die Eltern machten sich Sorgen. Wie sollte Balduin den Winter überleben, wenn er das Fliegen nicht lernen wollte, um mit ihnen in den Süden zu ziehen.
Was die Eltern nicht wussten war, dass Balduin ganz schrecklich grosse Angst vor dem Fliegen hatte.
Eines Tages bekam er Besuch von einem neugierigen Eichhörnchen, dass schon länger diesen merkwürdigen Vogel beobachtet hatte.
"Warum fliegst du nicht davon?" fragt es."Wenn ich Flügel hätte, ich würde so hoch fliegen, wie ich nur könnte. Die Welt von oben sehen, dass muss traumhaft sein"
"Mein Traum ist das nicht, ich habe Angst vor dem Fliegen", entfuhr es Balduin.
"Ein Vogel, der Angst vor dem Fliegen hat," lachte das Eichhörnchen."Ein komischer Vogel bist du."
"Du hast wohl vor gar nichts Angst," antwortete Balduin beleidigt.
"Doch, ich habe Angst gefressen zu werden. Und das kann dir auch passieren, die Katze hätte sicher ihre Freude an so einem leckeren Happen wie du es bist. Ich rate dir sehr, lerne das Fliegen."
Balduin war ganz erstaunt, dass es noch grössere Gefahren als das Fliegen geben könnte.
In der Nacht träumte er von Riesenkatzen, die mit glühenden Augen den Baum hoch kletterten.
Schweissgebadet wachte er auf. Wenn er leben wollte, musste er fliegen lernen, das war im nun klar.
Er stellte sich an den Rand des Nestes, er breitete seine Flügel aus, er nahm seinen ganzen Mut zusammen, er flog...
und wunderte sich, dass es so einfach war.
Das Eichhörnchen schaute ihm nach und dachte bei sich:  "Zwei Flügel nützen nichts, solange man nur seinen Kopf gebraucht. In die Luft kann sich nur derjenige erheben, der keine Angst vor dem Leben hat."
Dazu muss noch gesagt werden, dass das Eichhörnchen seine Jugendjahre im Gebälk des Hörsaal der Philosophischen Fakultät verbracht hatte.

"Ich möchte auch zwei Flügel, dann könnte ich fliegen und die Welt von oben sehen," wünschte sich die kleine Lua mit einem kleinen Seufzen.
Noch nie hatte das Kind einen Wunsch ausgesprochen und so rief die Mutter, die mit allen Tieren des Waldes vertraut war, den Vogel, der im Baum über ihnen sein Lied sang, zu sich.
Das Mädchen setzte sich auf seinen Rücken und der Vogel erhob sich in die Lüfte. Bald waren sie nur noch ein kleiner Punkt am Himmel und die Mutter dachte etwas bange, dass sie die nächste Geschichte wohl lieber in Bodennähe spielen lassen würde.
Unbeschadet brachte der Vogel das Mädchen zurück und die Mutter konnte in den Augen ihres Kindes einen Glanz sehen, den sie vorher noch nie gesehen hatte.
"Mama, wir sind fast bis zum Mond geflogen. Am liebsten wäre ich immer dort oben geblieben."
Die Mutter hörte die Worter und während das Herz ihrer Tochter leicht wie eine Feder war, wurde ihres schwer wie ein Stein.

Kommentare:

  1. Liebe Allerleirauh,der letzte Satz deiner Geschichte hat mich gerade sehr berührt...er ist sehr treffen für die Pubertät,mit allen "Auf- und Abzeiten"(ich stecke mit meinen beiden Teenies mittendrin*uff*.Wünsche dir einen schönen Abend.Pia

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  2. Ich musst auch an mich denken, als ich das geschrieben habe. (o:
    Verbunden Grüsse, Allerleirauh

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