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Mittwoch, 18. Mai 2011

Zwei Seelen

Man wird wieder aus Himmel und Sternen Bilder machen 
und die Sinnweben alter Märchen auf
offene Wunden legen.
Christian Morgenstern

Diesen Satz habe ich heute gefunden, in diesem Buch, dass mir beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen ist:

Poetische Bilder, wie sie Ch. Morgenstern so wunderbar beschreibt, ziehen mich immer wieder in ihren Bann.
Dabei bin ich ein eher bodenständiger Mensch, aber vermutlich sind das eben die 2,3,4,5,6 Seelen in meiner Brust, die man ja oftmals in sich trägt.

Die poetische Seite verbinde ich mit einem leisen Seufzer, mit einem himmelblauen Sehnen, einem wagen Erahnen einer Welt der Harmonie, einem Hauch der Schönheit, der zart über das Gesicht streicht.
Die bodenständige Seite verbindet sich bei mir mit unbeschwertem Übermut, mit lautem Lachen, kunterbunter Lebenslust, sie ist eine zielgerichtete auf dem Boden der Tatsachen stehende Energie.

Das ist so als würde eine pastellfarbene Fee mit einem frechen Koboldkind Walzer tanzen im Ballsaal der Phantasie.
Das Koboldkind tritt der Fee ständig auf ihre zarten Füsse, denn die beiden zanken bei jedem Schritt um den Führungsanspruch.
"Das ist kein Tanz, so geht das nicht", ruft der Ballmeister erbost und die beiden schauen ganz erstaunt, als die Musik plötzlich abbricht, so vertieft waren sie in ihren tänzerischen Ringkampf.
"Das Koboldkind ist Schuld, es tritt mir immer auf die Füsse!" verteidigt sich die Fee.
"Gar nicht wahr, die Fee ist Schuld, sie will immer bestimmen, wo es lang geht!"erwidert das Koboldkind.
"Nur wenn der eine auf den andern achtet ist Tanzen schön. Führen ist genau so wichtig, wie sich führen lassen. Nach jedem Tanz wird nun gewechselt."spricht der Ballmeister ein Machtwort zu den beiden.
Und siehe da, nun tanzen sie in perfekter Harmonie und der Ballmeister, der im richtigen Leben die Vernunft genannt wird, schaut höchst zufrieden auf das ungleiche Paar.
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Kommentare:

  1. Ein sehr schönes Bild, Deine tanzenden Seelen. Allerdings kann der Tanz nur gelingen, wenn das Orchester (die Umwelt) auch ein Stück spielt, und nicht nur Dissonanzen ;o)
    LG
    Tanja

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  2. Die Worte von Christian Morgenstern sind so wunderbar. Danke. maria

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  3. Die Geschichte vom Koboldkind gefällt mir ausgesprochen gut... Danke! <3

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